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Kennen Sie Hermann?

Hermann ist wieder da!
Hermann ist wieder da!

Hermann lebt! Nachdem es in den letzten Jahren ruhig um den kultigen Sauerteig aus Weizenmehl, Milchbakterien und Hefe geworden war, taucht er wieder allerorts auf. Hermann ist einfach ein Universalgenie. Für viele Hermann-„Jünger” ist er nicht nur ein besonderer Teig sondern schon beinahe ein Familienmitglied. Er sitzt vielfach an Sonn- und Feiertagen am bzw. auf dem Tisch. Man füttert und rührt ihn liebevoll und er sorgt für leckeren Kuchen oder auch für ein lockeres Hermann-Brot – auch als Siegfriedbrot bekannt.

Das Besondere an Hermann ist die ständig „gärende” Lebensgemeinschaft der Zutaten, die ihn bekömmlich und wohlschmeckend machen. Im deutschsprachigen Raum ist Hermann seit den 1980er Jahren bekannt. Die Amerikaner kennen ihn als „Amish Friendship Bread”. Weitere Bezeichnungen für den Teig sind „Glückskuchen”, „Glücksbrot” und „Vatikanbrot”. Bereits in der Jungsteinzeit vor ca. 12.000 Jahren wurde die Milchsäuregärung á la Hermann genutzt. Durch sie wird das Lebensmittel gesäuert und zersetzende Bakterien werden erheblich gehemmt oder sogar abgetötet.

Normalerweise erhält man den Teig zusammen mit dem Hermannbrief, der Gebrauchsanweisung, von Kollegen, Nachbarn, Freunden und Bekannten und Verwandten. Ob süß oder herzhaft – beim Backen mit einem guten Hermann-Teig sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wer Hermann im Internet sucht, findet zahllose Rezepte und noch mehr Weisheiten.

Hier ein Beispiel für einen Hermann-Brief:
„Hier ist Hermann. Bewahre Hermann in einem hohen, nicht ganz dicht verschlossenen Gefäß (damit die Gärgase entweichen können) bei nicht zu hoher Zimmertemperatur oder im Kühlschrank auf. An dem Tag, an dem Du Hermann bekommst, möchte er in Ruhe gelassen werden, da er sich erst an die neue Umgebung bei Dir gewöhnen muss.
2. bis 4. Tag: Hermann muss jeden Tag kräftig umgerührt werden, denn Hermann will hoch hinaus.
5. Tag: Füttere Deinen Hermann mit einer Tasse Mehl, 1 Tasse Zucker, 1 Tasse Milch und rühre ihn dabei kräftig durch. (Ob mit einem Holz- oder Plastiklöffel, daran scheiden sich die Geister).
6. bis 9. Tag: Hermann wird wieder jeden Tag kräftig umgerührt.
10. Tag: Hermann wird noch einmal mit 1 Tasse Mehl, 1 Tasse Mehl, 1 Tasse Zucker und 1 Tasse Milch gefüttert.
Am 10. Tag ist Backtag! Nimm 1 Tasse von Hermann für Dich ab (er kann bis zu drei Monaten eingefroren werden) und 1 Tasse für eine Freundin oder Bekannte, reiche dazu den Hermann-Brief weiter. Gib dann die etwa 2 Tassen verbleibenden Hermann in eine große Schüssel und mische folgende Zutaten darunter:
2 Eier, 2 Tassen Mehl, 1 Tasse Zucker, ½ Tasse Öl oder geschmolzene Butter. 1 Päckchen Backpulver, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Prise und nach Geschmack Zimt, Rosinen, Nüsse, Früchte etc. dem Teig zufügen. Rühre alles bis es gut vermischt ist. Fülle danach den Teig in eine gefettete Form, gib diese in den Backofen und backe Hermann bei 180 Grad ca. 45 – 60 Minuten.”

Wer nicht zu den Beschenkten gehört, kann den Grundteig auch selber herstellen:
Hierzu benötigt man ½ Päckchen Trockenbackhefe bzw. ½ Würfel Frischhefe, 1 Esslöffel Zucker, 1 Tasse Wasser, 1 Tasse Weizenmehl.
Die Hefe mit dem Zucker mit 1 Tasse lauwarmen Wasser auflösen, dann das Weizenmehl unterrühren. Bitte keine Metallschüssel verwenden. Metall ist Hermanns Tod, besagt zumindest eine Weisheit. Also sicher ist sicher. Diesen „Baby-Hermann” an einem warmen Ort zwei Tage aufgehen lassen. Die Masse jeden Tag mit einem Rührlöffel aus Kunststoff oder Holz umrühren. Danach den Grundteig für einen Tag in den Kühlschrank stellen. Dann geht es so weiter, als hätte man Hermann geschenkt bekommen.

Übrigens: Da der Teig relativ flüssig ist, setzt sich während der Ruhezeiten manchmal Wasser ab. Auch riecht Hermann etwas säuerlich. Keine Angst – das ist normal.

Für Hermann Fans und die, die es werden wollen, weitere Informationen und Rezeptideen unter: www.hermannteig.de

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