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300 Jahre Porzellan-Manufaktur Meissen

Weißes Gold
Weißes Gold

Bereits seit Anfang des 13. Jahrhunderts wurde Porzellan von den europäischen Fürstenhäusern zu horrenden Preisen aus China importiert. Gern hätte man das Geheimnis des Porzellans enthüllt, um es in Europa herzustellen, doch die Chinesen gaben es nicht Preis. Ende des 18. Jahrhunderts behauptete ein junger, äußerst selbstbewusster Alchimist namens Johann Friedrich Böttger, dass er aus wertlosem Material Gold herstellen könne. Als das dem sächsischen Kurfürsten August I. von Sachsen, auch genannt dem Starken, der ständig leere Kassen für seine Kriege füllen musste, in Dresden zugetragen wurde, ließ er Böttger gefangen nehmen und in der Jungfernbastei einsperren, um ihn Gold herstellen zu lassen. Doch vergebens.

Nach einigen Jahren lenkte Ehrenfried Walter von Tschirnhaus den Erfindungsdrang Böttgers auf seine Experimente, Porzellan herzustellen. Die Experimente führten 1708 zur Erfindung des europäischen Porzellans.
Vorausgegangen war 1707 die Erfindung des roten Böttgersteinzeugs (Jaspis-Porzellan). Mit dem schokoladen-farbenen Porzellan begann Meissen unter der kreativen Anleitung von Hofgoldschmied Johann Jacob Irminger zunächst damit, erlesene Schmuckstücke für den Hof zu gestalten. Hierbei wurde das Jaspisporzellan mit Gold, Rubinen, Diamanten und Halbedelsteinen verziert.

Im Januar 1708, fast 10 Monate nach dem Tod von Tschirnhaus am 11. Oktober 1708 übergab der Kurfürst die Leitung der Forschungsarbeiten Böttger. 1710 patentierte August der Starke die Herstellung des „Weißen Goldes” und versucht das Geheimnis zu hüten. Mit einem Dekret vom 23. Januar 1710 wurde die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellanmanufaktur” gegründet. 1806 ging sie aus dem Besitz der Krone in das Eigentum des Fiskus über. Die erste Produktionsstätte war ab Juni 1710 die Albrechtsburg. Sie bot vor allem Schutz für das Herstellungsgeheimnis des weltweit ersten Hartporzellans. Es wurden glatte Gefäße geformt, die mit von Johannes Gregorius Höroldt entwickelten Aufglasurfarben verziert wurden. Bevorzugte Motive waren Landschaften, Chinoserien (chin. Vorbilder in der Kunst) sowie gerahmtes Laub- und Bandelwerk.
Um 1740 wurden die chinesischen und japanischen Dekore von „deutschen Blüten” abgelöst, und das bis heute weltberühmte Zwiebelmuster in Unterglasurblau hergestellt.

Schon zur Zeit August des Starken wurden neben Geschirr figürliche Plastiken und Miniaturen für repräsentative und dekorative Zwecke angefertigt. Stets wurde nur einem kleinen Kreis von Mitarbeitern ein Bruchteil der genauen Herstellung mitgeteilt um Nachahmer auszuschließen. Dennoch gelang es dem geflohenen Arkanisten (Geheimnisträger) Samuel Stöltzel die Rezepturen nach Wien zu bringen, wo er 1718 mit der Porzellanmanufaktur Augarten” zum ersten Mitbewerber wurde. Durch diese Konkurrenz erkannte man schon bald die Notwendigkeit der Indentifizierung. Beeinflusst von den Kaisermarken (nien-hao) auf dem chinesischen Porzellan, die allerdings nicht den Herstellungsort, sondern die Herstellungsperiode markierten, entwickelte man eine Manufakturmarke, die auf das Porzellan aufgetragen wird.

Schon in den ersten Jahren versuchte man ein solches Markenzeichen zu entwickeln, doch erst die Einführung der blauen Unterglasurfarbe im Jahre 1720 bot einen hohen Schutz vor Fälschungen und Nachahmungen. Die Markierungen wurden per Handmalerei ausgeführt, so dass keine einheitliche Gestaltung entstand. Die Zeichen wurden nur unregelmäßig und nach den Wünschen der Auftraggeber und Käufer aufgetragen. Die am häufigsten genutzten Marken waren der Merkurstab und das Monogramm „ÅR” von Friedrich August I., genannt August der Starke Kurfürst von Sachsen und als August II. König von Polen und Großherzog von Litauen. Dieses Monogramm leitet sich von „Augustus Rex” (König August) ab.
Später wurde das Monogramm durch Schwerter ersetzt. Neben den gekreuzten Schwertern waren bis ca. 1730 auch Buchstabenfolgen üblich wie M.P.M. für „Meissener Porzellan-Manufaktur” oder K.P.F. für „Königliche Porzellan-Fabrik”.
Jedoch ab 1731 hatte sich die Marke „Gekreuzte Schwerter” auf Grund einer schriftlichen Anordnung des kurfürstlichen Hofes durchgesetzt. Die Schwerter variierten, was eine zeitliche Bestimmung oftmals erschwert.

Die Sammlung August des Starken in Dresden bildete den Grundstock für eines der größten Museen seiner Art in der Welt. Die Registrierung der Marken der Porzellan-Manufaktur erfolgte nach der Einführung des Reichsgesetzes zum Markenschutz in Deutschland am 20. Mai 1875. Die Handelsmarken „Böttgersteinzeug” und „Meissener Porzellan” wurden 1919 und 1985 registriert.
Auch heute noch gehört die Porzellan-Manufaktur Meissen zu einer der weltweit führenden deutschen Luxusmarken. Sie steht für hohe Handwerkskunst und einzigartige Kreationen für den anspruchsvollen Kunden. Die Manufaktur Meissen beschäftigt 800 Mitarbeiter und ist mit 300 Fachhändlern und eigenen Shops in 30 Ländern vertreten. Unter dem Titel „All Nations are Welcome. 300 Jahre Manufaktur Meissen als Brücke zwischen Kulturen, Nationen und Religionen” präsentiert die Manufaktur im Jubiläumsjahr bis zum 31.12.2010 eine Sonderausstellung der Extraklasse, die von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird.

Weitere Informationen: www.meissen.com

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